Kinky Texas

Holger Meier »Kinky Texas«
Kurzartikel über den Künstler für den Bremer

That’s Rock’n’Roll-Art, Baby: „Eat me Texas!“

„Wenn Elvis ein Stück mehr in seine Stimme legen würde, wäre es kitschig, würde er es weniger tun, wäre er nur noch Carl Perkins.“ Dieses ‘auf den Punkt kommen’ nennt Kinky Texas den ‘Peak’. Auch bei Texas Bildern kommt es nicht auf das ‘Was’, sondern das ‘Wie’ an, wenn er Western- und Rock’n’Roll-Helden in comicartiger Manier auf Leinwand oder Papier würdigt. In der neuen Club Galerie Einblick im Bremer Viertel werden jetzt unter dem Titel ‘Hank man’ neue Arbeiten gezeigt.

Artikel über Kinky Texas im Bremer

Wenn es nach dem Kunst- und Medienwissenschaftler Georg Seeßlen geht, so hat jede Westerngattung seine ganz wesensspezifische Landschaft. ‘Law and order’-Streifen etwa spielen demnach vorrangig in Kansas, das sich als vorwiegend von braven und rechtschaffenden Farmern besiedeltes Fleckchen Erde keine randalierenden Cowboys leisten kann und daher von honorig-markigen Sheriff-Typen saubergehalten wird. Optimistisch durchatmen läßt sich hingegen am besten nach einem Happy End in der grünen Hügellandschaft von Montana. Verwegene Individualisten, abgehalfterte Revolverhelden und aparte Wild-West-Rebellen jedoch findet man hier: Im Grenzland zwischen Wildnis und Zivilisation eines Texas’, Arizonas oder New Mexicos.
Wen bei der Beschreibung letzterer Kategorie am ehesten spontane Symphatie befällt, wird sich auch in den Bildwelten von Kinky Texas zurechtfinden. Auf den großformatigen Gemälden und kleinen Zeichnungen läßt Texas seine selbstbewußten Cowboy- Karrikaturen einen schmalen, und deshalb verführerischen, Grat zwischen Charme und Bösartigkeit beschreiten. „Ich lebe meinen Kult nur geschmäcklerisch aus“, lautet die entwaffnende Argumentation des erklärten Bremer Nicht-Künstlers, dessen Figuren zwischen Pathos und Banalität hin- und herpendeln: Wo sich hier, kraftvoll gemalt, ein omnipotenter Held namens ‘Lone Star’ der Welt als personifizierte Letzte Rettung in den Weg stellt, wird dort der sauer dreinblickender King des Rock’n’Roll mit ein paar Strichen treffend als ‘Schlechte Laune Elvis’ gezeigt.
Während der konsequente Cowboy-Kult dem Geist des Westerns entspringt, ist Rock’n’Roll die zweite wesentliche Inspirationsquelle. Denn Trash-Rock’n’Roller wie Hazel Atkins, ein Hank Williams oder Johnny Cash bilden im Kinky Texanischen Universum die Untersparte der Cowboys, die mit Gitarre statt Knarre quasi den Prototypen des „Cowboys im zwanzigsten Jahrhundert“ verkörpern. Texas: „Ich habe meinen Kult nicht abstrakt gefaßt. Bei Hazel Atkins hat man zum Beispiel das Gefühl, da ist Genialität in einer Mofa-Werkstatt in West-Virginia entstanden. Oder beim ‘Vera Cruz’-Film, da haut mich der Western-Charme einfach um. Das möchte ich einfangen.“ Zu sehen werden diese herrlichen Bilder zwar nicht, wie Kinky Texas es am liebsten wäre, „draußen gemalt, in der Nähe eines Rodeos oder nach einem Konzert“, sondern in dem nicht weniger ungewöhnlichen Ausstellungsraum der ‘Club Galerie Einblick’. Mit dem Anspruch, Kunst zu zeigen, die in herkömmlichen Galerien trotz Qualität keinen Platz findet, will Club Galerie-Initiator Tobias Küch die Ausstellungssaison mit Kinky Texas eröffnen. Daß der nur dreizehn Quadratmeter große wintergartenähnliche Raum über eine Glasfront verfügt, ist für Küch kein Makel, sondern die Möglichkeit, Ausstellungen auch künftig für draußen transparent zu gestalten. Von dem „Schaufenstereffekt“ verspricht er sich auch, „daß Leute den Raum sehen und etwas daraus machen“ und die „Straßensituation“ miteinbeziehen. Die Ausstellung ‘Hank man’ von Kinky Texas wird am Samstag, den 10. April um 19 Uhr eröffnet. Zur Finissage am 24. April spielt der Bremer Gitarrist Christian Schweder Songs von Hank Williams.